Das Pfundstück – im Kilo williger



Von ihren lieblosen Besitzern zur Untätigkeit verdammt, gammeln sie nicht selten Jahrzehnte unter einer Motten-zerfressenen Decke vor sich hin. Mehrere Generationen von Nagern nisten sich in ihnen ein, Feuchtigkeit und Sauerstoff vollführen ihren diabolischen Tanz auf dem braunen Parkett des Grünspans. Alles Organische ist schon lange weggemodert, Kunststoffteile zerbröselt und ihre Innereien zu einem riesigen Klumpen zusammengerostet. Bis eines Tages ein junger Prinz kommt und das Dornröschen wachvögelt.



„Scheunenfund“ tituliert man solche Ruinen gemeinhin. Und genau so einen haben wir uns für unser nächstes Projekt gesucht. Ebenso fatal wie praktisch: der Fund stammt aus unserer eigenen Scheune – Altvordere werden den Haufen vielleicht sogar erkennen. Vor zwei Jahrzehnten angeschafft und mit Freude und Eifer sowohl über Straßen als auch Brennplatten und quer durchs Mag gescheucht, hatte der Haufen mit etwa 200.000km auf der Uhr irgendwann mehr Durst auf Öl denn auf Benzin und wurde ausgesondert, bzw. ausgeschlachtet. Denn mehr als Rahmen und Triebwerk sind nicht über geblieben und fristeten etwa 15 Jahre lang ein karges Leben in einer feuchten Ecke einer abgelegenen Garage.



Zerlumpt, vergammelt und geschändet - genau die richtige Basis für ein dogmatisches Unterfangen. Angedacht hatten wir die Wiederbelebung schon länger - da der Motor aber wie gesagt nicht mehr zu retten war und ist, war bislang der notwendige Material-Bedarf eine nicht lohnenswerte Hürde. Den Trigger spannte Gevatter Zufall, als in einer konspirativen Werkstätte in Berlin ein Schwester-Modell des unseren zerlegt wurde und dabei ausgerechnet der Motor abfiel, um einem modernen Vogel Platz zu machen. Als uns in dem Zuge dann auch noch wichtige Fahrwerksbrocken vor die Plattfüße purzelten, war der Drops gelutscht.



Was haben wir vor? Erst einmal wird der Rahmen entkernt und danach von den rostigen Rektal-Geschwüren befreit. Eventuell bauen wir gleich ein komplett neues Rahmenheck. Stereo-Federung bleibt aber das Thema. USD-Gabel, Bananenschwinge und 17er Felgen stehen bereits Gewehr bei Fuß und sind teilweise sogar schon beschichtet und bestückt. Der Ersatzmotor wird revidiert und bekommt auf jeden Fall eine elektronische Einspritzanlage nach Art des Hauses verpasst. Angedacht ist parallel eine Eigenbau-Auspuffanlage. Altersbedingt ist der TÜV dem grundsätzlich nicht abgeneigt, wir müssen jedoch neben der Standgeräusch- auch eine Fahrgeräusch-Messung absolvieren und bestehen. Dafür spricht dann aber selbst gegen offene Trichter nichts - solange die Nummer nicht zu laut wird.





Als Bau-Zeitrahmen haben wir uns mal grob das laufende Jahr gesteckt. Hängt natürlich alles ein bisschen davon ab, wie geschmeidig sich der Verlauf gestaltet. Denn anders, als beim Umbau einer kompletten Kiste wissen wir nicht, was mit den einzelnen Brocken los ist und was an Unvorhergesehenem über uns hereinbrechen wird. Aber zurück in die Scheune wandert der Hobel auf keinen Fall – wir ziehen die Nummer auf Gedeih und Verderb durch.