Der schRAUber




Nun ist eine XJR ja serienmäßig schon alles andere als unansehnlich, was nicht zuletzt an ihrem grobverrippten Kernreaktor liegt, der nicht nur 1,3 Liter Hubraum in sich trägt, sondern auch das seinerzeit von den FJ-Modellen eingeläutete alterungsresistente Gesamt-Karisma im Gepäck hat. Und ausgerechnet hieraus erwächst ein potentieller Fallstrick, denn aus mutwilligen und undurchdachten Modifikationen kann sich schnell ein Schuss in die Kniescheibe entwickeln. Eine gewisse Stilsicherheit sollte der Eigner also schon mitbringen, soll die Nummer sauber nach vorne gehen.



tRAUmschiff

Der Vierzylinder steckt in einem galvanisch mit hochglänzender Deckschicht versehenen Zentralrohrrahmen klassischer Auslegung, wie er nur der PSS-Rau Manufaktur entsprungen sein kann. Über dem Kernstück des Fahrgestells spannt sich der gewölbte Buckel des typischen Alutanks und bestimmt die grundsätzliche Linie der Mopete. Hinter dem Spritbunker tummelt sich ein Zwei-Personen MOKO-Höcker, den Uwe in einem Online-Auktionshaus geschossen hat. Der zuvor montierte Pferrer-Sattel musste dem Neuerwerb rasch weichen, was den Konturen des Krads nur zuträglich ist.



kRAUtsalat

Ebenfalls ausrangiert wurde die anfangs montierte XJR-Schwinge, der nachträglich ein Unterzug beschert wurde. Sicher nicht die schlechteste Art und Weise, das 6,25 Zoll breite Hinterrad mit dem Rahmen zu verbinden – für des Eigners Ansprüche aber nicht ansatzweise exklusiv genug. Du schmierst dir ja auch keine Lätta auf dein argentinisches Zweipfund-Filetsteak. Also raus mit dem Schlemihl, das Telefonbuch konsultiert und eine maßgefertigte Schwinge geordert. Warum nur einen Unterzug anschweißen, wenn auch ein zusätzlicher Oberzug passt? Warum Mutter Beimer knallen, wenn daneben Charlize Theron in Empfängnis-bereiter Deckstarre hockt? Ihr wisst Bescheid.



bRAUnkohle ist kein Schwarzgeld

Vorne geht es nicht weniger ausgefallen zur Sache. Eine vercoverte Showa-Gabel greift nach einer Marchesini-Felge, welche ihre Bremsscheiben nicht konservativ in Narbennähe trägt, sondern den Felgenhörnern zur Seite stellt. Daraus resultiert nicht nur eine extrem luftige Optik, sondern auch eine gewaltiger Scheibendurchmesser, der sich zusammen mit den Braking-Zangen in exorbitanten Ankerwerten widerspiegelt. Das gesamte Ensemble residiert in stattlichen Gabelbrücken von Rau, die oben gleich doppelt und unten sogar vierfach verschraubt sind.



TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: PSS-RAU/XJR 1300 RP02/ Baujahr 2002
Motor: Yamaha XJR 1300 RP02
Ölkühler: Zubehör
Vergaser: Serie mit geänderter Bedüsung
Luftfilter: RAU-Box
Krümmer/Auspuff: Akrapovic mit 350mm Carbon Hexagonal Race
Rahmen: PSS-RAU
Heckrahmen: RAU variabel
Schwinge: Einzelanfertigung
Federbein/Umlenkung: Technoflex mit Suzuki Umlenkung
Gabel: Showa
Gabelbrücken: PSS-RAU oben 2fach- unten 4fach-Klemmung
Räder:
vorn: Marchensini 3,5 x 17
hinten: Deget 6,25 x 17
Bereifung:
vorn: 120/70ZR17
hinten: 190/50ZR17
Lenker/Riser: Dragbar / Eigenbau
Bremsen:
vorn: Doppel-Perimeterbremse mit Braking Zangen
hinten: XJR 1300 RP06
Fußrastenanlage: Lucas mit MFW Rasten auf RAU Halteplatten
Tank: PSS-RAU
Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: GSG
Höcker/Sitzbank: PSS-RAU wahlweise 1-2 Personen
Kotflügel: Pferrer Race
Kühlerblende: Eigenbau
Lackierung: Mercedes Tiefschwarz
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