Needful Things


Ihr meint, es gibt keinen Gott? Ihr weigert euch, die Existenz eines übergeordneten Wesens anzuerkennen, welches in unsere Wege und Geschicke eingreift? Nun, dann habt ihr noch nie ein Motorrad gehabt, das man nicht anfassen kann, ohne dass dir hinterher Scheiße an den Fingern klebt.





Es gibt solche Karren. Du kannst sie hegen und pflegen, ihnen jede Form und Menge an Aufmerksamkeit zukommen lassen und hast trotzdem ständig Trouble mit dem Eimer. Und das nicht selten in solch unglaublichen Konstellationen, wie sie nur dem kranken Geist eines sarkastischen, übelgelaunten Überwesens entstammen können. Jeder andere Erklärungsansatz erstickt im Keim. Mit Naturgesetzen hat das nichts mehr zu tun.



Diese Moko war so ein besessener Plagegeist – wahrscheinlich schon immer. Denn als Uli die Kiste vor über zwanzig Jahren aus einem Container zerrte, hatte die sich noch im Originalzustand befindende Gurke das letzte Jahrzehnt vor sich hinstaubend in einer dunklen Ecke gestanden und vor sich hingerostet. Das alleine hätte Uli eigentlich schon stutzig machen müssen – denn wer zum Gehörnten lässt sich für eine Schweinekohle solch einen eigentlich famosen Zögling auf die Beine stellen und sperrt ihn dann in den Zwinger zu den Hunden statt ihn begeistert zu reiten?!



Vom erfreulich niedrigen Kaufpreis geblendet und bis dato noch frei von Erfahrungen mit dunklen Mächten, kamen Uli derlei Gedanken jedoch nicht, so dass er sich den zweirädrigen Cujo freudestrahlend ins Haus holte. Zwar kläffte der Köter noch aus allen vier Nüstern, keuchte und rasselte dabei aber wie Achim Menztel beim Sprint zum Spreerosetten-Regal. Das war soweit erst einmal nicht weiter schlimm, denn ein Ersatzmotor war angesichts der niedrigen Ablösesumme kein Problem – und sogar einkalkuliert. Bei der Gelegenheit konnte auch gleich auf zeitgemässeres Geraffel upgegraded werden: Suzuki hatte frische Feinrippware in der Auslage, von der sich Uli 0,75 Liter abfüllen ließ und diese dann in den ausladenden Rahmen schüttete.



Die Fuhre schnurrte und zuckelte auf der ersten Probefahrt als würde sie dafür bezahlt. Das entging auch einem dem Akt beiwohnenden Kumpel nicht, der mit "Lass mich auch mal" seinerseits Ansprüche auf eine Runde anmeldete – die ihm auch zugesprochen wurde. Nicht ganz 300 Meter dauerte dieses Unterfangen, bis sich der grobmotorisch veranlagte Aushilfs-Evil-Knievel mit dem Zossen dermaßen dämlich und heftig aufs Maul packte, dass die frisch sanierte Moko nur noch nach einem Priester und der letzten Ölung verlangen konnte. Ihm selber war natürlich so gut wie nichts passiert. Warum zum Teufel bleiben Idioten bei solchen Aktionen immer ganz? Da hat doch jemand seine Finger im Spiel!



Noch nicht einen komplett abgerissenen Kilometer auf dem Tacho, musste der Haufen von Grund auf neu aufgebaut werden – was Uli denn auch erledigte, wenn auch mit eher zurückhaltender Begeisterung. Vorsichtshalber blieben nach der Revision weitere Verleihaktionen aus, was tatsächlich zu einer nennenswerten Fahrphase führte – bis Uli auf die Idee kam, dem Hobel eine weiteres Update zu spendieren. In dessen Fokus stand ein Hubraumausbau auf 1200 Kubik sowie die endgültige Abkehr vom Achtziger-Jahre-Plastik. Der Höcker, so groß, dass man eigentliche einen Personenbeförderungsschein für ihn hätte erwerben müssen sowie eine Verkleidung, die alleine durch ihre Ausmaße in der Lage war, Uli vollständig vom Wetter zu entkoppeln, hatten ausgedient.

Zwei rechte Daumen

Uli machte sich ans Werk – offensichtlich sehr zum Missfallen seines ganz persönlichen Poltergeistes, der ihm während der Arbeiten immer wieder die Augen zuhielt oder mit zwei linken Händen strafte – denn so sehr sich Uli auch abmühte, das Ergebnis sah einfach zum Frühstück-Rückwärtsessen aus. So viel feudeln konnte kein Mensch. Sich schon fast in sein Schicksal und die vollgekotzten Fliesen ergebend, traf Uli, eher zufällig, während einer Wallfahrt auf einen Hohepriester, der nach kurzer Intervention den ihn plagenden Dämonen erkannte und dessen endgültige Austreibung anbot. Uli konnte erst sein Glück und dann die bestellte Buddel Bier kaum fassen. Nahm aber beides gerne und dankbar an.



In Folge landete die Moko, die Uli in den letzten zwei Dekaden so viel Kummer und Leiden bereitet hatte, in einem Berliner Voodoo-Tempel, wo sie vom Chef-Werkstattologen erst mal einem Notfall-Exorzismus unterzogen und dann einer grundlegenden Überarbeitung anheim gestellt wurde. Arme und Beine wurden dem Tierchen abgehackt, die Lungen rausgerissen, das Fell abgezogen, alles auf einem Scheiterhaufen verbrannt und die verbleibenden Teile erst gründlich mit Weihwasser abgeduscht und anschließend mit Weihrauch abgedampft. Das sollte wohl helfen, auf ein Jungfrauenopfer wurde (finde anno 2017 mal auf die Schnelle eine ungepoppte Schnitte!) bis auf Weiteres verzichtet.

Binford-Prinzip

Neben einer spirituellen Aufarbeitung stand vor allem das altbekannte Tim Allen Motto "mehr Power" auf der Agenda, was wiederum nach sich zog, dass der Hocker parallel zur Ponyzucht in die Lage versetzt werden musste, diese auch zu verkraften. Da Uli der Sinn nach Beschleunigungsrennen und Ausflügen auf die Viertelmeile stand, bestand die erste Kernoperation aus dem Schnitzen einer längeren Schwinge, auf dass der Radstand überschlagshemmend anwachsen möge. Ein stiftiger Oberzug verhindert die Torsion des Geländers. Vorne wanderte Upside-Down-Besteck mitsamt amtlicher Bremsanlage in den Lenkkopf – denn nicht jeder Dragstrip verfügt über 15 Kilometer lange Auslaufzonen.



Das Motor-Setup ist im derzeitigen Paket eine Art Vorstufe – steht die Montage einer Zwangsbeatmung doch bereits fest. Dass der Föhn noch nicht vorm Motor hängt hat seinen Grund: der Triebsatz wurde nämlich (unserem Workshop folgend) auf Einspritzung umgerüstet. Und gerade für Novizen ist deren Abstimmung deutlich einfacher, wenn nicht auch noch parallel die Besonderheiten eines Turbos zu berücksichtigen sind. Ist die Fuhre erst einmal sauber abgestimmt, ist das Nachrüsten eines Gebläses kein großes Ding mehr. Hält zudem auch Plagegeister auf Abstand.

Saugmeister 2000

Um doppelte Arbeit zu vermeiden, ist die derzeitige Stufe bereits so ausgebildet, dass sie auch das anvisierte Frischluft-Update locker beschicken kann. Im Kern werkeln Drosselklappen einer 600er GSX-R, bestückt mit 1200ccm Bosch-Düsen. Der Tank wurde so umgearbeitet, dass er die vom Druckregler als Überschuss abgesonderten Spritmengen wieder aufnehmen kann. Eine Lock-Up Kupplung presst die Lamellen fliehkrafterregt zusammen und sorgt dafür, dass Schlupf lediglich zwischen Reifen und Fahrbahn entsteht.



Ausgepufft wird über einen Akra-Krümmer, der in eine Zwillings-Anlage unter dem neu geschweissten Rahmenheck mündet und von einem GFK-Mödel überspannt wird, welches nicht zufällig an den Arsch einer Buell erinnert. Denn auch die vordere Kanzel stammt aus Erics Zuchtbecken – wurde jedoch scheinwerfertechnisch downgesized. Das gestaltete sich deutlich schwieriger als es klingt – denn die Maske ist kein GFK-Teil sondern ein Original aus ABS – und somit schied das einfache Zulaminieren der vorhandenen Augenhöhlen aus. Ein befreundeter Bootsbaubetrieb, welcher über entsprechende Techniken verfügt übernahm diesen Part und ebnete den Weg für den Einsatz der nun montierten LED-Zwerge.

Saubere Pfoten

Seine "Scheisse-am-Finger-Phase" sollte der Stuhl damit endgültig hinter sich haben. Der Dämon ist ausgetrieben und sucht sich wahrscheinlich bereits sein nächstes Opfer. Sollte eure Karre also spontan Anfälle von unerklärlichem Gezicke an den Tag legen und euch gehäuftes Ungemach widerfahren welches keinen irdischen Regeln zu folgen scheint, burnt einfach mal eine Runde in einem ortsnahen Beichtstuhl, besauft euch mit Messwein, streut Hostien auf den Vanillepudding oder wickelt die Sultane des Pfaffen um den Auspuff – vielleicht hilfts.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell: Moko Zentralrohrrahmen
Erbauer: Strassenmeister
Motor/Motortuning: Lockup-Kupplung mit verstärkten Tellerfedern und verstärktem Kupplungskorb, GSX-R 1000-Zündspulen, Quickshifter
Einspritzung:GSX-R 600 Drosselklappen mit 1200ccm Bosch-Düsen, Ingintech Steuergerät
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Akrapovic Krümmer, Under-Seat Mivv
Rahmen: Moko
Heckrahmen: Strassenmeister
Schwinge:Suzuki 15 cm verlängert mit Oberzug
Federbein: YSS
Gabel:GSX-R 750
Gabelbrücken: Moko
Lenker/Riser: Superbikelenker/ Moko
Räder:Suzuki, 3,5x17 vorn, 5,5x17 hinten
Bereifung: 120/70 ZR17 vorn, 180/55 ZR17 hinten
Bremsscheiben: EBC
Bremszangen: 6 Kolben Tokico vorn, 2 Kolben Bandit hinten
Bremsleitungen: Stahlflex
Fußrastenanlage: Suzuki GSX-R 1000
Tank: Moko
Kotflügel: Suzuki modifiziert
Instrumente/Anzeigen: T&T
Verkleidung: Buell modifiziert
Blinker vorne: Kellermann Lenkerenden
Lackierung: Matt Schwarz aus der Dose
Danke an: Klaus, Manne, Rainer und Mutti