FINNITO




Als Basis für die kranke Aktion musste Ekkis 900er Z1 herhalten, die ihm zwar optisch grundsätzlich gefiel, aber leistungsmäßig von jedem besseren Hundeschlitten abgeledert wurde. Ein unhaltbarer Zustand. Erkki hatte aber Rat und Rad parat. Letzteres vor allem in beeindruckenden Ballon-Dimensionen auf amtlicher Felgenbreite. Hinten drehen sich stattliche zehn Zoll – einarmig geführt wohlgemerkt. So viel rundes Alu erfordert ordentlichen Einsatz an Hirnschmalz und Material. Beides ist bei Erkki keine Mangelware. So ersann er flugs einen fetten Strang, fräste und schweißte ihn eigenhändig und realisierte ganz nebenbei noch eine Verlängerung für die Getriebeausgangswelle mit mächtigem Stützlager. Die Kette läuft nun außen am Rahmen entlang und gewährt dem dicken Pneu ordentliche Geometrie im Fahrwerk. Die konstruktiven Probleme von Zwischengelege-Wellen bleiben ihm so zudem erspart.



Des Pudels Kern steckt jedoch klar zwischen den Rädern: Der Motor. Was der Finne hier auf die Räder gestellt hat, läßt den Laien staunen und den Fachmann sabbern. Knappe anderthalb Liter Hubraum von Orient Express, gefüllt mit geschmiedeten Wiseco-Kolben. Das ist an sich schon einmal eine anständige Ansage, klingt aber noch eine ganze Ecke maskuliner in Anbetracht der verbauten Tatsache eines Dell´Orto gespeisten Drehflügelladers. Bis zu einem vollen Bar zusätzlicher Atmosphären treiben das Gas durch die polierten Kanäle und damit zugleich auch ordentlich Adrenalin in die Blutbahn des Fahrers.



Dem technisch Interessierten fällt sofort der zweite Zahnriemen ins Auge, der die außenliegende Lichtmaschine antreibt. Versierte Beobachter erkennen im vermeintlichen Stromspender jedoch eine Zündanlage der mega-seltenen Art. Zwei parallel arbeitende Vierfach-Magnetos befeuern die insgesamt acht Zündkerzen im Kopf des Monsters.



Der Kompressor schnüffelt fertiges Gemisch, statt purer Luft und verdichtet „naß“. Entlassen werden die Verbrennungsrückstände standesgemäß über eine selbstgeklöppelte Edelstahl-Krümmeranlage, die stehenden Fußes unterhalb des Kraftzwergs in einen autoähnlichen Endtopf mit einer eher symbolischen Schalldämpfung mündet. Die Gnade der frühen Geburt macht`s legal und möglich



TECHNISCHE DATEN
Modell: Kawasaki Z1 900
Motor: 1428ccm, Supercharger mit regelbarem Ladedruck von 0,4 bis 1 bar, Orient Express-Block, Wiseco-Kolben, Doppelzündung, außen liegende Magneto-Zündanlage, Versatzritzel mit Stützlager und externer Kettenführung
Vergaser: 40er Dell´Orto
Luftfilter: Pancake
Auspuff: Eigenbau
Rahmen: Serie, verstärkt und umgerüstet für Monofederbein
Schwinge: Eigenbau
Federbein: Ducati
Gabel: Kawasaki
Räder: vorne ZX9R (modifiziert), hinten Maxwheel-Autofelge 10“ x 15“
Bereifung: 160/60/17, hinten 230/60/15
Bremsen: vorne Kawasaki ZX9R, hinten Ducati
Tank: Z1
Maske/Scheinwerfer: Z1, Eigenbau
Höcker/Sitzbank: Z1
Seitendeckel: Eigenbau Armaturen: Kawasaki
Instrumente: Kawasaki