Der große böse Wolf




In der Märchenwelt spielen die heulenden Grautiere eine repräsentative Rolle. Entweder blasen sie einem Ferkeltrio die bausparfinanzierten Eigentumshütten vom Rasen oder sie vernaschen Großmütter, um hinterher ihre pädophilen Essgewohnheiten an Minderjährigen mit Flechtkorb und rotem Kopftuch auszuleben. Dieser Wolf hier ist aber noch 'ne Schippe übler.



Damit der passend "Big Bad Wolf" getaufte Mond-Anheuler pünktlich zur Gang-Bang Party bei den sieben Zwergen auftauchen kann und bei Schneewittchen vorne in der ersten Reihe steht, statt die unrühmliche Aufgabe der Schlammschieberei übernehmen zu müssen, wanderte erst einmal ordentlich Kleister in den Eimer. Hubraum war ja schon ausreichend vorhanden – bei dessen Nutzungsquote gab es jedoch reichlich Optimierungsbedarf.



Als erstes flog mal der Deckel vom Kessel, was den Weg zum Wohnbereich der Kolben frei machte, deren Verdichtungsverhältnis durch Entfernen des einen oder anderen Hundertstels von der Zylinderbank von einst 9,7:1 auf 10,7:1 geliftet wurde. Der Zylinderkopf selber wanderte auf die Flow-Bench, wo man sein Durchsatzvolumen um satte 50 Prozent verbessern konnte. Wer Häuser wegpusten will, muss erst mal einen ordentlichen Zug an Mutter Naturs luftigen Hupen nehmen. Die Kurbelwelle wurde der Drehfreudigkeit halber erleichtert und anschließend dynamisch feingewuchtet. Titan-Stehbolzen halten das zusammen mit scharfen Nockenwellen remontierte Oberstübchen an seinem Platz.



Als nächstes flog mal die komplette Motorsteuerung heraus – mitsamt des vollständigen Einspritzsystems. Die Gemischaufbereitung wurde statt dessen vier 42er-Gierschlünden von Lectron übergeben – die derzeit den Stand der Technik im Bereich Vergaser markieren und beim Hersteller direkt auf den modifizierten Motor abgestimmt und angepasst wurden. Den zündenden Funken löst eine digitale Dyna-Zündanlage aus. Ein Paket, das Rapunzel ganz locker die Haare von der Kopfhaut reißt. Nicht weniger als 148 gemessene Einhörner wirken auf den hinteren Pneu ein, was einem fast 50-prozentigem Zuwachs im Vergleich zum Schaufensterzustand entspricht.



Da mehr Leistung auch automatisch mehr Abwärme bedeutet, wurde nicht nur ein wesentlich großvolumigerer Ölkühler (Wasser hätte ja auch wenig Sinn gemacht) an exponierter Position in den prallen Fahrtwind gehängt, sondern auch Luftleitrohre für den Kopf installiert, damit der Scheitel auch beim illegalen nächtlichen Straßenrennen im Zauberwald immer schön frisch geföhnt bleibt. Bei einem Überfall auf die königlichen Hoflieferanten konnte zudem einiges an edlem ISR Brems- und Armaturengeschmeide gezoddelt werden was zusammen mit der Entführung des Froschkönigs ausreichend Lösegeld in die Kassen spülte, um Dymas-Karbonräder, eine handverlesene Titan-Auspuffanlage und ein K-Tech Fahrwerk loszueisen.



Gerade einmal 183 Kilogramm vermeldete der Alibert auf die Frage "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Leichteste hier im Land?", was zu einem märchenhaften Leistungsgewicht führt, das sich hinter Supersportlern kaum verstecken muss und den Wolf nicht nur äußerlich richtig schön böse macht. Also aufgepasst Dornröschen, halte dich von dunklen Ecken fern, sonst besorgt es dir der Wolf von hinten mit seiner riesigen Fleischpeitsche. Nett ist nämlich anders. Ganz anders.

Bilder: Yamaha-Europe