Hinsetzen, Klappen halten


Der steinige Pfad zur elektronischen Motorsteuerung beginnt mit purer Mechanik, nämlich den Drosselklappen. An diese kommt man am besten über den Gebrauchtmarkt. Da seit nunmehr fast 20 Jahren Motorräder mit Einspritzungen den Markt bevölkern, steht eine erbauliche Auswahl an potentiellen Organspendern zur Verfügung. Es sind jedoch nicht alle Bänke gleichermaßen geeignet.
Genau wie bei Vergasern sollte der Querschnitt zum Motor passen, viel hilft nicht viel, sondern ist eher kontraproduktiv. Orientieren kann man sich am Durchmesser der Serienvergaser des Motors, welcher umgerüstet werden soll.

Sag zum Abschied leise Servus. Die Vergaserbank geht in Rente



Werden sehr gerne für ölige Gixxer genommen, weil bei diesen praktisch direkt passend: alte Klappenanlage aus GPz/UT Mopeten



Sie bauen sehr kurz und haben keinerlei Schnickschnack an Bord



Allerdings sind die Dinger auch schon antik, haben nur 34mm Durchlass und sind alles andere als State-of-the-Art



Eine solidere Basis sind Klappen von GSX-R 600 (38mm) oder GSX-R 1000 (bis 42mm) Modellen



Wie praktisch alle modernen Klappen haben auch die der Gixxer zwei Reihen. Die erste wird durch den Gasgriff direkt bewegt, die zweite (hier im Bild) über einen Servo-Motor (links außen) per ECU angesteuert



Der Servo der sekundären Klappen hat außerdem Auswirkungen auf den Gasanschlag der primären Klappen und regelt so das Standgas, z.B. beim Kaltstart



Ermöglicht wird das alles durch eine ganze Reihe von Sensoren sowie den angedockten Elektromotor. Und jetzt kommt die gute Nachricht: Das kann alles weg



Deswegen wandert der ganze Christbaumschmuck (abgesehen vom TPS der primären Klappen) unselektiert in die Tonne – mitsamt Einspritzdüsen, Leitungen und Kabelage



Wir behalten nichts weiter als die nackten Gehäuse sowie den primären TP-Sensor



Die einzelnen Gehäuse sind mit langen Schrauben verbunden und lassen sich nach Entfernen eben dieser voneinander trennen. So kann man die Abstände der einzelnen Segmente denen des Motors angleichen



Die Wellen der jeweiligen Klappen sind über justierbare Synchronisationseinrichtungen verbunden. Deren Funktion muss beim Ausrichten natürlich erhalten bleiben



Vorher bereiten wir die einzelnen Gehäuse erst einmal weiter vor. Dazu entfernen wir die sekundären Klappen sowie deren Wellen – für beides haben wir keinerlei Verwendung. Natürlich müssen wir die durch die Extrahierung entstandenen Löcher wieder dicht machen. Das geht z.B. per Einschneiden von Gewinde...



...und dessen Verschließung mittels eingeklebter Madenschrauben



Nicht ganz doof ist es, wenn die Klappen in die Ansaugstutzen passen. Wer sich am Vergaserquerschnitt orientiert, hat eventuell Glück und es flutscht direkt hinein, sonst muss man eben etwas nachhelfen



Eine Möglichkeit ist das Aufdremeln der Ansauggummis. Das macht meist sogar doppelt Sinn, denn die vorhandenen Nuten passen nur in den seltensten Fällen zu den Gegenstücken der fremden Klappen



Alternativ oder zusätzlich lassen sich die Klappen selber im Anschlussbereich in Sachen Außendurchmesser reduzieren oder störende Absätze entfernen



Links ein rohe Klappengehäuse, daneben ein bereits abgedrehtes



In Kombination lassen diese Maßnahmen selbst wilde Adoptionen zu. Hier steckt ein 42mm Klappengehäuse im Ansauggummi eines 36er Vergasers