Erleuchtung


Habt Ihr Euch schon mal gefragt, warum einfache LED-Reflektor-Scheinwerfer schnell mal 300 Kracher und mehr kosten, während ihre H4-Kumpels nur einen Bruchteil davon verschlingen? Ja, wir uns auch. Und nachdem wir einen zerlegt haben, noch mehr als zuvor.

Das ist der Proband: ein LED-Scheinwerfer von brans4bikes, aus der Highsider-Produktreihe. Marktpreis seinerzeit über 300 Euronen. Gehalten hat der Vogel keine 5000km. Bereits in der zweiten Saison fing das Fernlicht stark an zu flackern und emittierte keine nennenswerte Helligkeit. Ein in unserem Umfeld eingesetzter zweiter Scheinwerfer desselben Typs zeigte exakt die gleichen Symptome (dieser jedoch am Abblendlicht) – ebenfalls nach sehr überschaubarer Dienstzeit über lediglich zwei Saisons hinweg. Angesichts des deftigen Anschaffungspreises sehr schmerzhaft, denn einfach „kaputte Birne raus, heile rein“ ist halt nicht



Grund genug für uns, dem Phänomen mal auf die Pelle zu rücken. Dazu haben wir den Hoschie komplett zerlegt



Schon der erste Eindruck war alles andere als begeisternd. Da hat doch offensichtlich irgendeine Drecksau volle Lotte auf die Schalterplattine gewixxt!



Das Zeugs ist eine zähe Masse, die wohl in erster Linie der Isolation und Schwingungsdämpfung der Bauteile dienen soll. Offenbar mit der ganz groben Kelle aufgetragen, denn die Jauche findet sich im gesamten Innenleben der Funzel – auch dort, wo sie absolut nicht hingehört. Auf Gummiteilen, Kabeln usw.



Das Ding hier ist eigentlich der einzige vordergründige anatomische Unterschied der Lampe im Vergleich zu einem gewöhnlichen H4-Kollegen: ein Spritzguß-Teil mit COB-LED Bausteinen, welche die Fäden der Glühbirnen ersetzen. Je ein Chip oben, einer unten – für Fern- und Abblendlicht. Die Chips sind mittels Wärmeleitpaste auf dem Träger verschraubt, welcher die Wärme ableitet



Das macht er auch – über eine weitere Brücken-Schicht aus Wärmeleitpaste – auf die Rückseite eines (sehr) einfachen Kühlkörpers, ebenfalls aus gegossenem Material



Der wiederum ist mit einem kleinen Lüfter bestückt, welcher die Wärme vom Kühlkörper pusten soll. Schleierhaft, wie das hinhaut, denn der Lüfter puste nur gegen den Boden, die Finnen errreicht er so nicht. Die Einheit ist von der ganz schnoddeligen Sorte, deutlich bessere Kombos gibt’s für den Gegenwert eines Schokoriegels im Bastel-Shop oder PC-Zubehör. Ebenfalls extrem un geil: der Lüfter wird in elektrischer Hinsicht vom Standlicht gespeist. Hat man diese Funktion jedoch ausgelagert, z.B. in entsprechend bestückte Blinker und klemmt deshalb das Standlicht im Scheinwerfer vorschriftskonform ab, steht auch der Lüfter still



Die geringe Qualität und konstruktiven Fauxpas kann man jedoch getrost vernachlässigen. Nicht einmal ein High-End Lüfter könnte angesichts des isolierten Arbeitsbereiches etwas ausrichten. Denn das Lampen-Gehäuse ist weder be- noch entlüftet. Der Lüfter rührt also nur in der immer wärmer werdenden Luft-Suppe herum und die Emitter haben keinerlei Chance ihre Abwärme loszuwerden, sondern schwitzen sich in ihren eigenen Ausdünstungen langsam (oder schnell) zu Tode. Da der Lampenpott zudem aus einfachstem und zudem rostwilligen Blech besteht, findet auch hier keine Abfuhr, wie es z.B. Aluminium leisten könnte, statt. Wer hat sich das ausgedacht?! Doktor Prof. Honigtau Bunsenbrenner aus dem Muppet-Labor? Oder sein Assistent Beaker?



Demzufolge ist es absolut kein Wunder, dass die Emitter bereits nach kürzester Zeit dicke Backen machen. Wer elektrisch fit ist, kann die COB-LEDs zwar theoretisch austauschen, Ersatz gibt es für ein paar Cent im geneigten Fachhandel – sofern mann herausfindet, was für ein Typ benötigt wird. Das alleine nützt jedoch nichts. Es muss unbedingt langfristig für sachdienlichen Luftaustausch gesorgt werden, damit zukünftig die Wärme aus dem Gehäuse abgeleitet werden kann, sonst steht man nach fix wieder im Dunkeln



Unser Fazit: der Preis für eine aus unserer Sicht derartig undurchdachte Konstruktionen ist deutlich zu hoch und dürfte den von orthodoxen H4-Funzeln keinesfalls überschreiten. Weder anatomisch, noch Bauteile-technisch lässt sich etwas ausmachen, was den Aufschlag rechtfertigen würde. Tatsächlich sind die COBs sogar günstiger als H4-Birnen. Wer mit dem Gedanken einer Anschaffung einer solchen Laterne trächtig ist, sollte auf jeden Fall vor dem Kauf darauf achten, dass die hier gezeigten Mängel nicht vorhanden sind. Wärme-Abfuhr ist ein ganz wichtiges Stichwort. Man muss zudem in Klaren sein, dass im Normalfall der Ausfall einer Lichtquelle den gesamten Scheinwerfer zu Sondermüll deklariert, da ein Austausch von Leuchtkörpern nicht vorgesehen ist. Auch wenn LED-Technik von aus eigentlich extrem robust und langlebig ist, dreht sich das um, wenn sie man sie in einem Heizungskeller einsperrt

Etwas anders sieht die Sachlage bei solchen projizierenden Scheinwerfern aus. Diese strahlen ihr Licht direkt ab, statt über einen Reflektor, sind wesentlich aufwändiger konstruiert und verfügen im Normalfall über exorbitante Kühlkörper, welche die Abwärme gründlich von den Emittern wegschaffen. Stecken diese in einem geschlossenen Lampentopf, ist aber auch hier Vorsicht angezeigt. Wir hatten bei diesem Teilnehmer lange Zeit mit Kondenswasser im Inneren zu kämpfen, was wir erst durch nachträglich gesetzte Zirkulations-Öffnungen und einen massiv geänderten Lampenpott in den Griff bekamen. Also Augen auf beim Funzel-Kauf, andernfalls kann die Nummer ganz schnell ganz teuer werden. Es ist kein Zufall, dass wir im Falle unserer 14er Turbo von LED auf H4 zurück gewechselt haben