Blut und Eisen

Markus steht auf Motorräder – da gibt´s mal nichts dran zu rütteln. Bedingt durch diesen nicht kurierbaren Befall von Kradseuche, hatte er inzwischen wohl schon mehr Zweiräder und Exoten zwischen den Schenkeln als Dolly Buster lange, schwarze Alabasterprengel im Mund.

Per glücklichem Zufall fand sich eines Tages eine Martek mit GSX-R Herz. Verschraubt, als wäre Stevie Wonder Werkstattmeister gewesen mit der Laufkultur einer Rüttelplatte – und genauso leistungsarm. Dennoch fuhr Markus das Gefährt eine Zeit lang im desolaten Kaufzustand, besuchte diverse Treffen und verrauchte einige Reifen. An einem verregneten Abend saß er wie gewohnt vor dem PC, und wurde nach dem Lesen der elektronischen Tagespost mit all ihren Fickelfilmchen und Juxmails von der Langeweile übermannt. Linderung fand er bei Google durch das unkoordinierte Eingeben von willkürlichen Suchbegriffen mit fatalen Folgen. „Turbo“ und „GSX-R“ ergaben zusammen in das harmlose Suchfeld eingetragen nach Absendung der Abfrage das initiale Ergebnis: Das Video einer abgasgeladenen Gixxer mit imposanten Fahraufnahmen. Heilige Scheiße – her damit! Die drei Minuten im MPEG-Format veränderten Markus Weltanschauung nachhaltig und unheilbar.

Power to the Erbauer

Der ausgelutschte Antriebsstrang der Martek war für den Zweck jedoch nicht mehr zu gebrauchen - und so wurde der Einfach- und Haltbarkeit zur Liebe kurzfristig ein fabrikneuer Banditmotor organisiert. Nachdem die Aufladungsarbeiten im groben fertig waren, begann Markus mit dem Umbau des Fahrwerks. Unterstützung fand er dabei dankenswerter Weise bei seinem Bruder Michel, der neben Know-How und Handwerkskunst auch die nötige Ur-Ruhe mitbrachte, um das Projekt sauber wachsen und reifen zu lassen.

Make Tea, not love

Zwischenzeitlich ging die Ruhe jedoch zum Teufel und die beiden Brüder sich im Streit wiederholt an die Wäsche, wenn Uneinigkeit über Lösungen und Details bestand. Fliegende Schraubenschlüssel und lautes Gefluche machten aus den freundlichen Gesichtern Hasskappen und drohten mehrmals das ganze Vorhaben zum Scheitern zu bringen. Vorbeigehende Passanten hielten ihren Bälgern mit hochrotem Kopf die Ohren zu und selbst Straßenköter trauten sich nicht an das Garagentor zu pinkeln angesichts des heraus dringenden Radaus. Blut ist jedoch dicker als Rhabarbersaft, so daß sich die Zwei nach ein paar kräftigen Gefechten doch wieder zu Friedensverhandlungen an der Werkbank einfanden und weiter machten. Nach insgesamt flockigen 400 Stunden Arbeit und gut 100 Stunden Zoff waren alle Buchsen und Halter gefräst, der Tank umgeschweißt, das Fahrwerk erstellt und montiert, sowie das Heck gestrickt.

Finale Grande

Abschließend ging es zum noch TÜV-Termin auf die extra angemietete Teststrecke im ostfriesichen Tief-Land. Nach dessen Abschluß hätte der Prüfer fast unwissentlich sein Leben vorzeitig ausgehaucht, nachdem er Helm und Handschuhe mit Schleifnieten auf den frisch lackierten Tank knallte. Lediglich die Tatsache des noch ausstehenden Stempels vermochte seine Gattin vorm Schicksal des Alleinerziehertums bewahren.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: MARTEK TURBO 2002
Erbauer: MICHAEL UND MARKUS
Motor: SUZUKI GSF 1200 modifiziert
Ölkühler: SUZUKI
Vergaser: MODIFIZIERT
Luftfilter: K+N AM LADER
Rahmen: MARTEK
Heckrahmen: EIGENBAU
Hinterradschwinge: MARTEK
Federbein: BITURBO
Gabel: GSXR 750/K4 OPTIMIERT SCHWARZ NITIERT
Gabelbrücken: BKG SONDERANFERTIGUNG
Räder: BRAKING
vorn: 3,50-17
hinten: 6,00-17
Bereifung: MICHELIN PILOT POWER
vorn: 120/70-17
hinten: 180/55-17
Bremsen:
vorn: BRAKING 3200MM WAVE ABM VIERKOLBEN RADIAL
hinten: BRAKING 230MM 1 KOLBEN BREMBO
Fußrastenanlage: Lucas
Tank: MARTEK MIT HAFER ALU TANKDECKEL
Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: INFINITY HALTER GSG
Kotflügel: EIGENBAU
Armaturen: ABM-RADIAL
Instrumente: MOTOGADGET


Anzeige: