Woahh-Games

Willkommen zu einer neuen Episode aus unserer munteren Serie: Simulatoren selber bauen leicht gemacht. Heute basteln wir uns eine Maschine, mit der jeder daheim die Vorbeifahrt eines Top-Fuel-Dragsters realitätsnah nachstellen kann.

Dazu brauchen wir lediglich zwei große elektropneumatische Hilti Presslufthämmer, die wir uns jeweils in einen Gehörgang stecken. Im Hintergrund lassen wir S.O.D. über die Mainstage P.R. des Wacken Open Air auf vollem Schub ein Konzert abhalten und bitten die amerikanischen Luftstreitkräfte, wie weiland in Vietnam einen Napalm-Großangriff auf den Straßenzug vor unserem Haus zu fliegen. Jetzt schießen wir noch eine Patriot-Rakete aus alten Golfkriegsbeständen horizontal ab, sprühen uns eine komplette Dose Bären-Abwehr-Spray in die Augen und versuchen dem Projektil vier Sekunden lang hinterher zu schauen, während sich Raum und Zeit um uns herum krümmen und das Dimensions-Kontinuum temporäre Risse bekommt. Schnappatmung setzt ein. Synapsen kollidieren, Nervenbahnen schmelzen. Nahtoderfahrung.

Improvisation

Zugegeben, die Simulation wird dem echten Viertel-Meile Top-Fuel-Erlebnis immer noch nicht ganz gerecht, gibt aber einen ungefähren Einblick in das, was die Königsklasse der Beschleunigungsmonster auf den geklebten Asphalt nagelt und an Reizüberflutung beim Betrachter auslöst. Der dazugehörende Sound ist infernalisch, die Augen brennen vom Rennsprit in der Luft und für kurze Zeit fällt das Atmen schwer, weil sich kaum noch Sauerstoffanteile, dafür aber Nitromethan in der umliegenden Atmosphäre befinden. Urlaub in Kambodscha, Orts- und Häuserkampf für Schmerzbefreite.

Lift Off

Die Höllenaggregate entwickeln bei Vollgas so ungeheure Kräfte, dass alleine der Abtrieb, der nicht umsonst nach oben gerichteten Auspuffrohre einen Anpressdruck von bis zu einer Tonne erzeugt. Die Achtelmeile wird in etwa vier Sekunden abgewickelt und im Ziel etwas mehr als ein Drittel Schallgeschwindigkeit erreicht. Die Nummer gehört für Benzin-Junkies ganz oben auf die Liste der Dinge, die man vor dem Doppelsalto in die Kiste unbedingt erlebt haben muss. Pure Bewusstseinserweiterung. Vergesst den Scheiß, von wegen man müsste ein Kind gezeugt, einen Baum gepflanzt und ein Haus gebaut haben.

Klassengesellschaft

Die beste Gelegenheit für derartige Erlebnisse bietet sich außerhalb von Amerikanistan in Hockenheim –im Zuge der NitrolympX, dem größten Drag-Event abseits der Kolonien auf der anderen Seite des großen Teiches. Gefahren wird in verschiedensten Klassen, alleine vier in einspuriger Radanordnung. Aber auch die Vierräder dürfen in diesem Genre als 100% beutekompatibel betrachtet werden, denn die brutalen Wüstlinge machen einfach mächtig Spaß beim Betrachten – oder besser Erleben. Mit Opas Passat Kombi haben die Geschwader nur die Reifenzahl gemein.

Ich kleb dir eine

Die Rennstrecke ist komplett geklebt. Das ermöglicht fast unendlichen Grip, was einerseits die Übertragung weitaus heftiger Kräfte ermöglicht als dies auf blankem Asphalt möglich ist, hat aber noch einen zweiten Vorteil: Ausgetretenes Öl versickert nicht in den Poren der Bahn, sondern wird von dem Kleister chemisch reduziert und die auf ihm schwimmenden Restbestandteile lassen sich einfach abfeudeln. Geile Sache, brauch' ich unbedingt für die Auffahrt.

Mach mir die Schere

Die eklatanten Grip-Verhältnisse erfordern einiges an Erfahrung auf dem Milieu, denn die Anforderungen an Mensch und Material sind anders, als auf ungeklebten Strecken. So kommt z.B. der sonst grundsätzlich gerade beim Anfahren erwünschte minimale Schlupf nicht zustande, was insbesondere Wellen und Kupplung der Hocker heftig strapaziert. Ist das Setup nicht angepasst, verreckt eine neue Kupplung im Bruchteil einer Sekunde auf den ersten fünf Metern.


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