Druck-Stop

Damit die Einspritzung vernünftig funktioniert, benötigt sie einen stabilen Benzindruck. Ist dieser jedoch eher wankelmütiger Natur, so hat dies direkte negative Auswirkungen auf Gemisch und Fahrverhalten. Das wurde uns erst kürzlich wieder schmerzlich bewusst, als wir mit eben diesen Phänomenen konfrontiert wurden und ihm zum Opfer fielen.

Dass es tatsächlich am Benzindruck lag, dass der Haufen plötzlich lief als hätte er Schüttel-Fix im Tank, attestierte dieses kleine Instrument, dessen Zeiger immer weiter seinem Nullstellungs-Anschlag entgegen eilte, statt jenseits der roten Linien herumzutollen Das Zündschloss unseres MTNT-07 Projektbikes wurde strafversetzt. Hinter der Maske war kein Platz und auf der Gabelbrücke sah es komplett zum Wegreiern aus. Problem dabei: Der kleine Zapfen an der Vorderseite reicht nun nicht mehr bis zu seinem Gegenstück am Lenkrohr. Der Onkel vom TÜV will aber auf jeden Fall eine Wegfahrsperre sehen



Geht der Benzindruck in die Knie, gibt es eigentlich nur drei mögliche Ursachen: die Pumpe ist fratze, der Regler spinnt herum oder das System ist undicht. Letzteres war fix ausgeschlossen, und da die Benzin-Pumpe ein mechanisches Klagelieg anstimmte, war sie zum Hauptverdächtigen avanciert. Unverdient, wie sich heraus stellte, nachdem wir zwei nagelneue Ersatzpumpen nacheinander eingebaut hatten und sich am Phänomen nichts änderte. Blieb also nur noch der Druckregler.

Und wenn wir diesen schon auswechseln müssen, dann gleich gegen einen etwas moderneren. Auf China-Gerümpel hatten wir angesichts der neuralgischen Bedeutung des Teils nur wenig Böcke, weshalb wir zu einer Perle von AEM griffen.

Sehr geil: der AEM kommt gleich mit drei Inlets für den Ausgang, mit deren Hilfe sich die „Dämpfung“ des Druckabbaus beeinflussen lässt



Druckregler funktionieren grundsätzlich alle gleich: der von der Pumpe erzeugte Druck wandert ins Gehäuse, wo er in einer Kammer von unten auf eine Membrane trifft. Von oben wirkt eine Feder entgegen über welche der „Auslösedruck“ eingestellt wird. Übersteigt der Druck in der Kammer den gewünschten, so hebt er die Membrane gegen die Federkraft an. Dadurch gibt sie den Abfluss frei und der Druck entweicht in den Tank. Aber nur solange, bis der Druck unterhalb des gewünschten Wertes absackt, denn dann verschließt die Membrane den Abfluss wieder. Je größer der Abfluss, desto größer der Druckabfall.



Um die daraus resultierenden Schwankungen so gering wie möglich zu halten, gehen wir auf den kleinstmöglichen Abfluss. Ermittelt haben wir diesen via Try and Error. Wir haben einfach verschiedene Restriktoren gedreht, diese als Einsätze in den Ausgangs-Fitting des Druckreglers geworfen, sind dann Probe gefahren und haben über die Druckanzeige das Verhalten geprüft. Zum Schluss haben wir uns ein Fitting mit dem ermittelten Durchmesser gedreht, welcher am Ausgang des Druckreglers installiert wird



Da wir somit auf einen 5mm-Schlauch für den Rückfluss umsatteln mussten, schrie auch die gerade eben erst fertig gestellte Tankplatte nach einem Upgrade, denn deren Anschluss hatten wir ursprünglich für einen 10mm Schlauch hergestellt



Um möglichst wenig neu bauen zu müssen, haben wir einen Adapter geschnitzt, welcher Kontakt mit der vorhandenen Platte aufnehmen kann



Der Schlauch wird mittels Ringnippel und Banjo montiert und lässt sich somit im Winkel variieren



Der vormontierte Dödel





Und so funktioniert`s: der blaue Fitting kommt in den Druckregler und der Würfel unten an den Tank – natürlich mit entsprechend längerem Schlauch, das kurze Stück dient nur der Verdeutlichung



Durch das Steigröhrchen wandert der Sprit später in den Tank und wird direkt unter dessen Dach entlassen



Dann bauen wir den Plumperquatsch mal zusammen. Das ist die Kammer des AEM-Druckreglers, mittig zu sehen das bisherige Abfluss-Stück



Dieses haben wir durch das kleinere schwarze ersetzt



Jetzt kommt die Membrane oben drauf



Es folgt die Druckfeder



Und zum Schluss der Teller, auf welchen die Einstellschraube wirkt



Diese haben wir uns selber gedreht, damit sie auch werkzeuglos zu bedienen ist. Original sitzt dort eine mittels Mutter gekonterte Schraube…



… wie auf diesem Bild zu sehen



Erfreulich: Der Benzindruck war nach Fertigstellung wieder herrlich konstant und der Hobel schnurrte wie Wowie mit frisch gekraulten Eiern. Das unerfreuliche: nicht sehr lange. Denn nach etwa 500km, mitten im tiefsten Mittelgebirge, ging der Motor spontan aus, Sprit sprudelte aus dem Reglerdeckel und eine Vorort-Diagnose brachte eine gerissene Membrane ans Tageslicht. Verfickter Mistkack, beschissener!!!

Eine Zugfahrt und anschließende Transporter-Rückführung der Schad-Karre später, wanderte der Druckregler umgehend in die Tonne. Keine Ahnung, ob man uns doch China-Nachbau-Schrott angedreht hatte oder was auch immer zum Membran-Abriss geführt hat. Das Vertrauen in den Dödel war auf jeden Fall dahin.

Deshalb haben wir erst einmal wieder einen Malpassi eingebaut – rustikal, aber zuverlässig und bewährt. Das Thema ist jedoch noch lange nicht durch. Wir arbeiten derzeit daran, unseren eigenen Druckregler zu bauen, da wir nach Möglichkeit von den Gummimembranen weg wollen. In der Hinsicht hat sich im Laufe des Jahres eine ausgewachsene Paranoia aufgebaut



Bis dahin werkeln wir erst einmal weiter am Spritkreislauf und wollen insbesondere der Pumpe das Leben erleichtern. Das A&O ist deren Zufluss. Die Versorgung mit Oktan-Nektar kann gar nicht üppig genug sein. Fette Schläuche, kurze Wege und der bereits erfolgte Tankumbau bilden die Basis



Die Suppe muss immer schön sprudeln, die Pumpe darf nicht trocken laufen



Der Fördereinheit selber haben wir eine neue Aufhängung spendiert. So hockt sie nicht nur direkt hinter dem Tank, sondern ist auch im Notfall auch leicht ein- und ausbaubar





Im Auto-Bereich setzt man gerne Surge/Swirl-Tanks ein. Das sind ein paar Liter große Silos, welche vor der Pumpe sitzen und vom Tank gespeist werden. So verhindert man u.a. Kavitationen und sorgt für beruhigten Zufluss zur Pumpe. Das geht alleine aus Platzgründen in der Form beim Moped natürlich nicht. Trotzdem wollen wir den Effekt nutzen und haben den kleinen Filter versuchsweise durch einen größeren aus dem Auto-Zubehör installiert. Mit Erfolg



Der Kollege werkelt eigentlich in einem Lamborghini, kommt von Bosch und hat Red-Bull-Dosen-Größe. Er puffert die Pumpenversorgung mit etwa einem Viertel-Liter – was jedoch nur bei vertikaler Einbauweise funktioniert. Liegend montiert könnte man nur das halbe Volumen nutzen



Mit einer passend zum neuen Pumpenträger gebauten Halterung soll er ins Rahmendreieck

Und da isser auch schon. Filter und Mini-Swirl-Tank in einem. Die Schwerkraft versorgt ihn von oben mit Sprit, welcher durch den Filter nach unten sickert und von hier aus quer über die Schwinge zur Pumpe transportiert wird. 12mm-Schläuche vermeiden Engstellen. Versorgungsknappheit wird es in Zukunft keine mehr geben




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Disclaimer/Warnhinweis:
Dieser Bericht dient lediglich der Veranschaulichung der von uns durchgeführten Arbeiten. Er ist auf keinen Fall Aufforderung oder Ermunterung zum Nachmachen und will auch nicht so verstanden werden. Wir raten ausrücklich davon ab, die durchgeführten Arbeiten, egal ob komplett oder auszugsweise nachzumachen, da daraus sowohl für Material als auch Leib und Leben (auch das Dritter) explizite Gefahren erwachsen. Darüber hinaus führen derartige Arbeiten u.U. zum Erlöschen der Betriebserlaubnis und/oder Garantie- oder Gewährleistungsansprüchen. Also bitte auf keinen Fall nachmachen! Wer dies dennoch tut, handelt entgegen unserer ausdrücklichen Warnung als auch Intention und ausschließlich sowie umfassend auf eigene Gefahr und ist für alle hieraus erwachsenden Konsequenzen und Schäden eigenverantwortlich.


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