Stranger Dings


Wer unser GSX 1400 Turbo Projekt verfolgt, hat unsere langjährige Desaster-Serie rund um die kollabierende Spritzufuhr mitbekommen. Im (wiederholten) Zenit des Dilemmas hatten wir im letzten Jahr sehr dubiose Probleme mit der Benzinpumpe. Los ging das Ganze mit dem relativ spontanen Kollabieren des Förderdrucks, begleitet von einer sehr ungesunden mechanischen Geräuschkulisse der Walbro-Pumpe. Soweit erst einmal nichts Besorgnis-Erregendes, kann passieren, durchaus als Verschleiß abzuhaken. Neue Pumpe gekauft, ausgetauscht, alles gut. Jedoch nur für ein paar Kilometer, dann zeigten sich dieselben Phänomene erneut. Vielleicht eine defekte oder gar gefälschte Pumpe erwischt? Auch das kann passieren.

Also noch einmal eine frische Pumpe gekauft – und parallel einen anderen Benzindruckregler um auch den zweiten potentiellen Attentäter auszuschalten. Und da wir den Bock eh gerade auseinander hatten, haben wir auch gleich noch die komplette Elektrik erneuert. Schön bei 45 Grad in der Garage, mitten in der Saison. Wir konnten gar nicht so viel feudeln, wie wir gekotzt haben. Zumindest war das Problem damit aus der Welt – wenn auch ein wenig suboptimal, da wir nicht genau wussten, woran es denn nun konkret lag. Und das hinterlässt immer ein leicht mulmiges Gefühl. Bis jetzt!





Denn vor ein paar Tagen hatten wir exakt das gleiche Phänomen mit unserer Turbo-Z. Spontan absackender Benzindruck, laute, mechanisch ungesund klingende Benzinpumpe. Absolut identisches Fehlerbild. Im Geiste schon von einem erneuten Hunnie für eine weitere Pumpe verabschiedet, passierte beim Abbauen des Tanks, bzw. der Vorbereitung des Aktes, etwas seltsames, fast schon paranormales: der Sprit wollte nicht aus dem Tank. Nix, Nada. Nicht einmal ein Rinsal. Hatten wir anfangs unsere neuen Tankabgänge in Verdacht (sonst haben wir in letzter Zeit nichts geändert), zeigte sich der Verursacher an ganz andere Stelle.



Denn nachdem wir den Inline-Benzinfilter entfernt hatten, sprudelte plötzlich Saft aus dem Schlauch, als würde er dafür bezahlt werden. Heilige Harnröhre! Das merkwürdige dabei: der Filter hat ein transparentes Gehäuse – und Dreck oder Ablagerungen waren keine zu sehen. Das Element ist zudem recht groß. Bis sich die üppige Oberfläche dichtsetzt, braucht es schon einiges. Und alt war der Vogel auch nicht, denn wir schmeißen die Dinger spätestens alle 12 Monate raus und ersetzen sie durch Neuware. Konnte also eigentlich gar nicht sein.



Das schauen wir uns auf jeden Fall mal genauer an. Dazu zerlegen wir den Verdächtigen und holen seine Eingeweide ans Licht



Das Filterelement zerschneiden wir und breiten das Faltpapier aus. Soweit optisch immer noch nichts Auffälliges. Bis auf die Tatsache, dass der Verschlussdeckel nicht (mehr) mit dem oberen Abschnitt des Filterpapiers verklebt ist



Zum Vergleich haben wir einen zweiten unbenutzten Filter zerlegt. Links das lose Teil aus unserem Pflegefall, rechts das neue. Man kann wunderbar den Klebstoff sehen, der links komplett fehlt. Nachtigall, ich hör‘ dir trapsen!



So wie es aussieht, ist der vom Hersteller verwendete Kleber nicht benzinfest, löst sich nach und nach auf und setzt dann das Filterpapier zu. Das Papier aus dem Schadfilter lässt sich weder mit Luft durchpusten, noch Flüssigkeiten passieren. Es feuchtet nicht einmal durch, die Rückseite ist komplett trocken. Das bestätigt unsere Annahme und passt auch zum Fehlerbild



Ein provisorischer Testlauf ohne Filter beseitigt denn auch sofort alle Phänomene. Die Pumpe schnackelt, Benzindruck ist sofort da und bleibt konstant. Wie bereits bei der 14er, rüsten wir nun auch die Kawa auf den Lamborghini-Filter um, der gleichzeitig als Surge-Tank fungiert







Warum wir den Fehler nicht schon bei der 14er gefunden haben? Ganz einfach: dort war der Filter weiter hinten installiert, so dass wir zum beim Spritablassen den Schlauch VOR dem Filter getrennt haben. Und einen nagelneuen, optisch einwandfreien Filter hätten wir so nicht als Auslöser erwartet. Wie auch immer: den Restbestand haben wir natürlich komplett in die Tonne getreten. Augen auf beim Filterkauf! Das hier ist übrigens der Schlemihl