Duftende Softies und harte Lümmel

Gummis neigen dazu, ihrer Alterung Ausdruck zu verleihen indem sie verhärten. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass die im Material enthaltenen Weichmacher mit der Zeit entfleuchen. Das widerfährt Scheibenwischern, Türgummis, Reifen, Kondomen ebenso wie Ansaugstutzen. Man kann diesen Prozess jedoch nicht nur stoppen, sondern sogar umkehren und sich den Neukauf der betroffenen Brocken ersparen. Heureka!

Fast vierzig Jahre alt hart wie Zwiback: GSX Ansauggummis



Das funktioniert natürlich nur solange, wie das Material lediglich hart geworden ist. Haben sich bereits Risse gebildet oder ist es versprödet, kommt jede Hilfe zu spät. Gummiteile werden vor der Montage gerne einfach mit Muttis Fön oder in einem heißen Wasserbad erwärmt, was im Zuge der kurzfristigen Installation auch tatsächlich funktioniert. Allerdings wird der Dödel nach dem Erkalten sofort wieder hart (naaa, Kopfkino?) und außerdem beschleunigt der Vorgang die Alterung zusätzlich, weil durch besagte Erhitzung weitere Weichmacher das Weite suchen. Ist also maximal semi-geil.



Wesentlich effektiver ist ein gezielter Griff ins Waschmittel-Regal. Genauer gesagt: in den Korb mit dem Weichspüler. Denn die parfümierte Plörre erfüllt genau den Zweck, auf den wir scharf sind: sie macht geschmeidig. Und das funktioniert nicht nur mit Opas Latex-Maske für den Nudisten-Ball im Altenheim, sondern auch mit unseren Moped-Teilen. Die Mittelchen sind zudem extrem günstig und mit etwa einem bis zwei Euronen pro Flasche billiger als Rotwein im Tetra-Pack. No-Name reicht vollkommen aus – und die Geschmackrichtung spielt keine Rolle. Von der Menge her braucht man so viel, dass man, im Verhältnis zwei Teile Wasser und ein Teil Weichspüler ein Bad anrichten kann, in welchem die zu erweichenden Teile Platz finden. Für unsere vier Flansche reichte eine halbe Buddel.



Das Elixier haben wir in einem alten Kochtopf angesetzt und dann mit einem Camping-Kocher zusammen mit den eingelegten Ansaug-Gummis zart erwärmt. Wichtig: lediglich erwärmen, auf keinen Fall kochen. Solange man mit den Pfoten noch ins Bad greifen kann ohne seine Epidermis zu dünsten, ist alles im Lot. Wir lassen die Nummer etwa eine Stunde bei besagter Temperatur ziehen und schalten den Brenner dann aus. Die Bowle bleibt über Nacht stehen, damit die Tenside ihr erweichendes Werk verrichten können. Man kann nach ein, zwei Stunden jedoch schon deutlich merken, wie geschmeidig die Brocken wieder werden. Ganz nebenbei riecht das Schrauber-Loch während der Aktion so herrlich wie noch nie. Eine gute Gelegenheit, das diesbezügliche Image aufzupolieren.



Am Ende der Prozedur werden die Teile einfach mit klarem Wasser abgespült und dann mit Silikon-Spray oder Glycerin eingerieben. Beides eignete sich im späteren Betrieb auch perfekt als Präventiv-Maßnahme gegen erneutes Aushärten.